Korea: Faszination Tempelküche!

Wo kommt vegan eigentlich her? Ein Trend, der von Attila Hildmann oder US-Ernährungsgurus kreiiert wurde? Nein, die pflanzenbasierte Küche findet ihren Ursprung im Buddhismus. Das Prinzip „Du sollst nicht töten“ wird konsequent umgesetzt, es heisst sogar, dass der Verzehr von Fleisch die Wurzel des Mitgefühls vernichte.

Der Buddhismus ist weit in Asien verbreitet und dementsprechend gibt es regionale Unterschiede und Auslegungen. Während es in Thailand Bettelmönche gibt, die quasi alles essen, was ihnen gereicht wird, so nennt sich die thailändische Tempelküche dort „Jay Food“ – diese Art der Zubereitung gibt es übrigens auch an unzähligen Strassenständen. Ganz anders in Südkorea – hier findet man eine sehr ursprüngliche und traditionelle Form einer pflanzenbasierten Ernährung, die ohne Vitamix & Co. auskommt.

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Koreanische Tempelküche – was ist das genau?

In Südkorea hat sich eine eigene Tradition der Tempelküche mit regionalen Gar-Methoden, Zutaten und Kombinationen über die viele Jahrhunderte erhalten. Neben tierfreier Kost, wird zudem auf Zwiebel, Knoblauch & Co verzichtet, da diese Zutaten säkulare Energie erzeugen. Auch Rohkost wird eher spärlich verwendet, da diese der Überlieferung nach, sich nicht beruhigend auf den Geist auswirke.

Speisen können ja sehr direkt die Stimmung bzw den Gemütszustand beeinflussen – daher wirkt die koreanische Tempelküche ausgleichend und unterstützt die Meditation. Das heisst aber keineswegs, dass die Gerichte fad oder nach Askese schmecken – es kommen viele sehr natürliche Gewürze zum Einsatz, ebenso wie die fermentierte Gochujang-Paste oder Soja-Sauce in zahlreichen Facetten. Apropos Fermentieren: Kimchi ist zwar das Nationalgericht Koreas, aber es werden so einige andere Lebensmittel fermentiert. Das sorgt nicht nur für Haltbarkeit, sondern ist auch sehr gesund: Probiotische Bakterien wirken sich überaus positiv auf den Stoffwechsel aus und das fermentierte Lebensmittel bleibt reich an Mineralstoffen und Vitaminen.

 

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Zero-Waste und Nachhaltigkeit

Weitesgehend alle Lebensmittel bauen die koreanischen Geistlichen selbst in ihren eigenen Gärten an, die zu den Tempelanlagen gehören. Dabei wird auf Pflanzenschutzmittel konsequent verzichtet – nicht nur aus gesundheitlichen Aspekten, sondern um nicht in den natürlichen Kreislauf der Pflanzen einzugreifen. Insekten oder andere Tiere, die sich möglicherweise über die Pflanzen hermachen könnten, werden daher nicht als Schädlinge betrachtet, sondern als ein gleichwertiges Leben, was seine Daseinsberechtigung hat.

In der Tempelküche ist Nachhaltigkeit ein überaus wichtiger Aspekt – dazu gehört auch, dass Lebensmittel auf gar keinen Fall verschwendet werden. Sollten bei der Zubereitung Reis, Gewürze oder sonstiges über sein, werden diese kurzerhand nicht entsorgt, sondern wieder verwertet. Insofern ist die Tempelküche eine patente Anleitung zum Zero-Waste-Lifystyle.

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Friedfertigkeit und Empathie

Die Antriebskraft der Tempelküche ist das tägliche Leben mit dem Buddhismus. Vom Anbau, über die Zubereitung bis zum Anrichten ist jeder Schritt ein tägliches Ritual der Nonnen und Mönche, in dem buddhistische Werte wie Achtsamkeit und Dankbarkeit zelebriert werden. Mit der Tempelküche erwacht ein Bewusstsein, dass das Leben und die Gaben der Natur bedingungslos wertschätzt.

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Alte Überlieferungen der Tempelküche

Die Zubereitung der Speisen kommt mit einfachsten Mitteln aus – mittels Fermentieren und klassischem Einmachen werden Speisen haltbar gemacht, sodass quasi keine Kühlschränke oder ähnliche elektrische Geräte nötig sind. Die Tempelküche funktioniert noch genauso gut, wie vor vielen hundert Jahren.

Über die heilenden Kräfte der verwendeten Pflanzen und Kräuter ist viel bekannt und sie werden in entsprechenden Kombinationen serviert, um Körper, Geist und Seele in den Einklang zu bringen.

Was wir von der koreanischen Tempelküche lernen können

Den Probleme der heutigen Zeit, wie Klimawandel und Massentierhaltung versucht man ja eher mittels High-Tech-Lösungen zu begegnen. Bill Gates ist unter anderem in der Produktion von künstlichem Fleisch involviert, bzw Fleischersatzprodukten, wie „Beyond Meat“. Allerdings finden sich hier und da bereits Lösungen in unserer Geschichte, wie beispielsweise Templefood – rein pflanzenbasiert, nachhaltig und müllfrei. Bei genauerer Betrachtung bietet die Tempelküche also eine Antwort auf viele Probleme der heutigen Zeit.

 

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Hier gibt’s mehr fernöstliche Rezepte: Gochujang-Tofu, vegane Miso-Suppe und rein pflanzliches Pad Thai.

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