Vegan vs. Pflanzenbasiert?

Ist „plantbased“ die bessere Ernährung als „vegan“?

Vor kurzem las ich in etwa folgenden Satz bei einer grossen deutschen Reisebloggerin, die gerade dabei ist, ihr Leben umzukrempeln: „Ich sollte mich vegan ernähren, aber besser noch pflanzenbasiert.“ Immer häufiger stosse ich auf solche Aussagen, auch das deutsche TV macht nicht Halt, vor solch gefährlichem Halbwissen, Vorurteilen und der falschen Interpretation von Begriffen.

Schauen wir uns das mal genauer an: Was will die Reisebloggerin eigentlich sagen? Vermutlich, dass pflanzenbasiert besser wäre als vegan. Das ist natürlich so nicht richtig, rührt aber wahrscheinlich daher, dass Allesesser meist davon ausgehen, dass eine vegane Ernährung zum grossen Teil aus Ersatzprodukten für Fleisch, Käse und Eiern bestünde.

Bei einem Durchschnitts-Deutschen kommen locker bis zu dreimal täglich Fleisch auf den Tisch (Aufschnitt, Butter und Ei zum Frühstück, ein paar „leichte“ Hühnerstreifen mittags und abends ne Salami-Pizza mit Käse). Dazu Snacks, wie Schokolade, Chips mit Wild-Aroma, Joghurts und Milchkaffee. Wenn all diese Produkte nun mit industriell hoch verarbeiteten Ersatzprodukten substituiert würden, na dann „Gute Nacht!!!“. Vermutlich denkt die Bloggerin, dass eine tierfreie Ernährung ohne Industrieprodukte folglich nun die pflanzenbasierte Ernährung wäre – und das ist so absolut falsch.

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Pflanzenbasierte Ernährung – was heisst das genau?

Das ist eine Ernährungsweise, die aus vollwertigem Getreide, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Nudeln, Reis etc bestehen KANN (und sollte). Es werden keine Tierprodukte verwendet. Pflanzenbasiert schliesst aber Substitutions-Produkte aus Pflanzen mit ein, sprich Fleischersatz als Kokosfett, Getreidemilch, Seitan, Tofu, Tempeh etc… Pommes mit Ketchup sind somit auch pflanzenbasiert.

Der Begriff „Plantbased“, oder die pflanzenbasierte Ernährung wird üblicherweise von Leuten verwendet, die sich zwar tierfrei ernähren, aber in anderen Bereichen des Lebens NICHT vegan sind – sprich Leder, Daunen, Wolle, Seide & Co weiterhin als Kleidung konsumieren, Zoos und Aquarien besuchen oder auch im Kosmetikbereich nicht auf Tierleid verzichten.

Pflanzenbasiert zielt insofern rein auf die Ernährung ab, was beispielsweise mit gesundheitlichen Gründen zu tun haben kann, lässt aber so gut wie keinen Rückschluss auf ethische Gesichtspunkte zu.

Weiter ist der Begriff „pflanzenbasiert“ nicht so arg mit Vorurteilen aufgeladen, wie „vegan“, was ja mittlerweile als Schimpfwort von rückschrittlichen Personen verwendet wird.

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Vegan – ist ist das genau?

Die pflanzenbasierte Ernährung ist ein Aspekt des veganen Lebens. Weder „vegan“ noch „pflanzenbasiert“ geben einen Hinweis auf die Verarbeitung eines Lebensmittels, noch ob es nun „gesünder“ oder „natürlicher“ sei.

Vegan ist ein ganzheitlicher Lebensstil, der komplett ohne Tiere auskommt: Weder in der Nahrung, noch Kleidung, Kosmetik, Haushalt, Amüsement/Unterhaltung etc. Sprich neben der pflanzenbasierten Ernährung, werden in allen Bereichen tierfreie Produkte ohne Tierversuche konsumiert. Auch im Freizeit-Bereich dienen Tiere nicht der Unterhaltung eines Menschen, wie beispielsweise Elefanten-Reiten in Thailand oder ein Besuch bei Seaworld.

Vegan umfasst also das gesamte Leben, zunächst lässt sich das gut über Konsum steuern, mit der Zeit ändert sich auch nachhaltig das Bewusstsein, insbesondere was Tierrechte betrifft.

 

 

Fazit:

Es macht keinen Sinn, die Begriffe „vegan“ und „pflanzenbasiert“ zu vergleichen oder zu klassifizieren. Beides lässt keinen Rückschluss auf Nährwerte, industrielle Verarbeitung oder gesundheitliche Aspekte zu. Vielleicht klingt „pflanzenbasiert“ irgendwie grün und gesund, während „vegan“ nach hochverarbeitetem Tofuschnitzel anmutet?

Vermutlich ist sogar in den meisten Fällen eine pflanzenbasierte Ernährung der erste Schritt in ein veganes Leben – aber all diese Label sind in der Praxis nicht wirklich hilfreich, sondern stiften eher Verwirrung bei Menschen, die ihre Ernährung tierleidfrei gestalten möchten.

Viel wichtiger sind neben den gesundheitlichen Aspekten eine umfassende Betrachtung der ethischen Gesichtspunkte, warum heutzutage Tiere insbesondere in der industriellen Nahrungsmittel-Produktion ausgedient haben.

Eine der besten deutschen Info-Quellen zu Tierrechten und ethischen Aspekten ist übrigens Peta.de.

 

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Hier gehts zur Artikel-Serie „vegan werden“ – der einfache Umstieg in ein tierleidfreies Leben:

Teil 1 / Teil 2 und Teil 3.

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